Lesbische und teilweise auch trans* Sichtbarkeit: Ingeborg Boxhammer von lesbengeschichte.org stellt euch alle Filme, Dokus etc. vor.

Die Fernsehtipps entstanden ca. Anfang 2007 als Service für Freundinnen. Inhaltsangaben und Wertungen spiegeln Ingeborgs persönliche Meinung wider – und ihren Humor … Seitdem erscheinen die Infos – in der Regel – alle zwei Wochen.

Zur besseren Einordnung gibt es im Anschluss eine subjektive Sternchenbewertung.

 

Sa, 27.2., RTL2 22:20 Uhr: Starsky & Hutch, USA 2004, R: Todd Phillips+ (Neuauflage der Siebziger-Jahre-Serie, in der zwei grundverschiedene Cops [nervig ohne Ende: Ben Stiller und Owen Wilson] einen Drogenring auffliegen lassen wollen. In einem Techtel mit zwei Cheerleaderinnen sollen die beiden Frauen einander küssen, um den Cop anzumachen.)

Sa, 27.2., SWR/SR 23:45 Uhr: Betrogen, USA 1971, R: Don Siegel* (Während des amerikanischen Bürgerkriegs wird ein verletzter Unionssoldat [Clint Eastwood] in einem Internat von acht Frauen gesund gepflegt. Nach anfänglicher Skepsis beginnen die Frauen, ihn zu bedrängen. Dabei haben die Frauen auch Fantasien miteinander. Dichtes Psychogramm über eine Frauenwelt im Krieg – leider überwiegend unreflektiert aus Männerperspektive erzählt.)

So, 28.2., ONE 14:45 Uhr: Wer hat eigentlich die Liebe erfunden? D/Schweiz 2017, R: Julia von Heinz*** (Familiäre Konflikte: Eine Ehefrau und Mutter (Corinna Harfouch) hat es satt und setzt Ehemann und Tochter Alex [Meret Becker] an einer Autobahnraststätte aus. Alex kommt dadurch der Truckerin Marion [Sabine Timoteo] näher…)

So, 28.2., SIXX 20:15 Uhr: The Help, USA 2011, R: Tate Taylor+ (Eine weiße Kolumnistin [Emma Stone] veröffentlicht Anfang der sechziger Jahre zum Entsetzen der weißen Oberschicht ein Buch über den Umgang der Weißen mit schwarzen Haushaltshilfen und Kindermädchen, das auf Interviews beruht. Der beeindruckende und umwerfend gespielte Film (Oscar für Octavia Spencer!) geriet in die Kritik der Association of Black Women Historians, die die Erfahrungen schwarzer Hausangestellten trivialisiert und verharmlost sahen.)

So, 28.2., ORF1 22:15 Uhr: Verblendung, USA/Schweden/UK/D 2011, R: David Fincher* (Glattgebügelte US-amerikanische Verfilmung des europäischen Knüllers mit Daniel Craig als Journalist, die Französin Elodie Yung als Freundin von Lisbeth, Miriam, und Lisbeth selbst wird von einer Newcomerin dargestellt: Rooney Mara, deren Darstellung es jedoch an Vielschichtigkeit mangelt)

Mo, 1.3., ZDFinfo 07:30 Uhr: Fatale Zusammentreffen, USA 2018 (Reißerische Reportage über Mord aus Eifersucht, im Mittelpunkt ein lesbisches Paar)

Di, 2.3., SWR/SR 05:30 Uhr: Ich und die Anderen. Sie, er oder wer? – Transgender (Reportage über trans* Jugendliche)

Mi, 3.3., ONE 14:30 Uhr. Seitensprung, D 2014, R: Sabine Boss+ (Werbetexterin Fiona [Claudia Michelsen] ist zwar nicht erfreut, dass ihr Gatte die Nachbarin geschwängert hat, aber sie nimmt sie in die Familie auf und steht ihr
bei der Geburt bei. Dies lässt die Hebamme denken, es handle sich um ein lesbisches Paar. Leider nicht …)

Do, 4.3., Vox 22:30 Uhr: Liebesgrüße aus Moskau, UK 1963, R: Terence Young, Krimi: Ian Fleming** (Lotte Lenya als Oberst Klebb, die gefährlich lesbische Gegenspielerin von 007 [Sean Connery] – inzwischen schon so etwas wie trashiger Kult, der nicht (mehr) ernst genommen wird …)

Sa, Tele5 22:00 Uhr: N E U ! Below her Mouth, Kanada 2016, R: April Mullen******* (Knisternd erotische Liebesgeschichte zwischen einer taffen Dachdeckerin und einer Modejournalistin in Toronto)

Sa, 6.3., MDR 23:05 Uhr: La belle saison – Eine Sommerliebe, Frankreich 2016, R: Catherine Corsini******** (Zu Beginn der 1970er Jahre verliebt sich die junge Landlesbe Delphine [Izïa Higelin] bei einer feministischen Aktion in der Stadt in Carole [Cécile De France], eine der Rädelsführerinnen. Als Delphines Vater stirbt, muss sie zurück auf den Hof – und Carole reist ihr nach, aber … Frauenbewegte Lesbengeschichte aus Frankreich.)

Sa, 6.3., arte 00:05 Uhr: Square für Künstler [Könnte sich Arte vielleicht auch endlich mal vom generischen Maskulinum trennen?!] – (Carte Blanche für Rapperin Ebow, die sich gegen Homosexuellenfeindlichkeit, Rassismus uns Sexismus zur Wehr setzt) 

Sa, 6.3., HR 00:35 Uhr: Sex, DK 2020, R: Amalie Naesby Fick (Nach einem Kuss einer lesbischen Kollegin gerät eine junge Frau, die sich eigentlich als hetera definiert, völlig aus dem Häuschen…)

So, 7.3., RTL2 05:40 Uhr: Hals über Kopf, USA 2001, R: Mark S. Waters* (Von der Liebe enttäuschte Frau [Monica Potter], die natürlich am Ende den Mann ihres Lebens finden wird, hat eine lesbische Freundin [China Chow]. Blöd.)

So, 7.3., Tele5 21:30 Uhr: Johnny Guitar – Wenn Frauen hassen, USA 1954, R: Nicholas Ray* (Psychologischer Western, in dem Saloonbesitzerin Vienna [Joan Crawford] sich gegen die hasserfüllte Emma [Mercedes McCambridge] wehrt, die sie aus der Stadt treiben will. Heimlich liebt Vienna den Cowboy Johnny Guitar [Sterling Hayden], aber die eigentlichen Spannungen bezieht der Film aus den heißen Begegnungen der Frauen … Sehenswert!)

Mo, 8.3., SIXX 20:15 Uhr: Battle of the Sexes – Gegen jede Regel, USA 2017, R: Jonathan Dayton, Valerie Faris****** (Rückblick auf das legendäre Matsch zwischen Tennischampion Billie Jean King (geb. 1943, gespielt von Emma Stone) und Großmaul Bobby Riggs [Steve Carell], das die beiden 1973 ausgetragen haben. Gleichzeitig haderte King mit ihren lesbischen Begierden und kämpfte gegen ihre Angst, mit ihrer Liebsten [Andrea Riseborough]
entdeckt zu werden. – Spannend, unterhaltsam und – aufschlussreich!)

Mo, 8.3., ONE 22:10 Uhr: Toni Erdmann, D/Österreich 2015, R: Maren Ade+ (Ein Vater [Peter Simonischek] möchte sich seiner entfremdeten Tochter [Sarah Hüller] wieder annähern und scheut nicht davor zurück, sich vor ihren Karrierekolleg_innen zum Affen zu machen. Ungewöhnliche Beziehungsstudie, die letztlich auch die Tochter zu ausgefallenen Reaktionen bringt. Dabei spielt Nacktheit eine Rolle, die ihre Assistentin beinah falsch versteht. – Die Publikumsreaktionen reichten von „ganz großes Kino“ bis zu „was soll der Scheiß?“ Ich gehöre zur Großes-Kino-Fraktion!)

Mi, 10.3., arte 13:50 Uhr: Geisterkomödie, UK 1945, R: David Lean+ (Ein Schriftsteller [Rex Harrison] lädt zu Recherchen ein Medium, Madame Arcati [Margaret Rutherford], zum Abendessen mit seiner Frau ein, muss aber feststellen, dass dies den eifersüchtigen Geist seiner früheren Frau herbeibeschwört … Manche Forschende sahen in der „burschikosen“ Madame Arcati ein maskulines Verhalten, also einen Hinweis auf möglicherweise lesbische
Lebensweise)

Do, 11.3., HR 23:00 Uhr: Der „Schwulenparagraph” – Geschichte einer Verfolgung, D 2019, R: Marco Giacopuzzi (Gut recherchierte Doku über deutsche Homosexuellen-Verfolgung in West und Ost: „Ich weiß nicht, wo Verfolgen anfängt“, sagt der Aktivist Peter Rausch im Interview. Jedenfalls nicht erst mit einem Strafrechtsparagraphen. Auch Frauen, die wegen lesbischer Lebensweise ins Visier von Staat und Polizei gerieten, kommen zu Wort.
Befragte Expert_innen u. a.: Rüdiger Lautmann, Michael Schwartz, Jens Dobler, Marcus Velke, Gottfried Lorenz, Kirsten Plötz)

Do, 11.3., Vox 23:05 Uhr: Goldfinger, UK 1964, R: Guy Hamilton* (Diesmal hat James Bond [Sean Connery] den Bösewicht Goldfinger [Gert Fröbe] als Gegenspieler, der Fort Knox atomar verseuchen will. Ihm zur Seite steht Pussy Galore [Honor Blackman], die eine Staffel von Fliegerinnen befehligt, die ihr alle blind ergeben sind. Sie wird aber leider von 007 heterotherapiert.)

Do, 11.3., RBB 00:00 Uhr: Carol, USA/UK 2015, R: Todd Haynes, Vorlage: Patricia Highsmith******** (Eine junge Verkäuferin [Rooney Mara] verliebt sich in den 1950er Jahren in die mondäne und verheiratete Carol [Cate Blanchett], die kurze Zeit später von ihrem Mann mit einer Sorgerechtsklage wegen unmoralischen Lebenswandels drangsaliert wird. Carol steht dazu, distanziert sich aber – wie der Gatte verlangt – von Therese … Klasse gespielt und inszeniert – ein echtes Highlight!)

 

++++GRUNDSÄTZLICHE INFOS++++

  • Die Fernsehtipps entstanden ca. Anfang 2007 als Service für Freundinnen. Inhaltsangaben und Wertungen spiegeln meine persönliche Meinung wider – und meinen Humor …
  • Zurzeit befinden sich im Fernseh-Verteiler über 130 Privatpersonen, Initiativen und Institutionen (von Dresden bis Saarbrücken; von Kiel bis Tübingen), die jeweils ihre Verteiler damit bedienen. Veröffentlichungen sollten bitte mit mir abgesprochen werden. Derzeit sind die Tipps hier nachlesbar: http://www.phenomenelle.de; www.lespress.de; https://lesbenring.de
  • Die Tipps bekommt ihr in der Regel im Zwei-Wochen-Rhythmus und UNENTGELTLICH. Sehr gerne könnt ihr aber hin und wieder etwas für www.lesbengeschichte.org spenden und damit die Zukunft dieser Seiten sichern: Ingeborg Boxhammer, Stichwort “Lesbengeschichte” Sparkasse KölnBonn IBAN: DE 6637 0501 9803 0093 3579 BIC: COLSDE33XXX.
  • Bis 04:30 Uhr morgens ordne ich alle Sendungen dem Vortag zu.
  • Bis auf ganz wenige Ausnahmen berücksichtige ich keine Serien und keine unmittelbaren Wiederholungen! Selten oder erstmals im TV gezeigte Produktionen kennzeichne ich mit „NEU“.
  • Regelmäßig aktualisierte Listen zu lesbischer Liebe in deutschen, deutschsprachigen oder koproduzierten Spielfilmen, Dokumentationen, Reportagen und Talkshows findet ihr unter „Lesben & Film“ auf www.lesbengeschichte.org.

 

Der Sternchenbewertung im Spielfilmbereich liegen folgende Kategorisierungen zugrunde:

Wertung nach dem Sternchenprinzip

* * * * * * * * 8 Sterne: Lesbisches macht mehr als 90 Prozent der Handlung aus. Ohne dies würde der Plot nicht mehr funktionieren. Lesbischsein/“Anderssein“ wird hier nicht negativ bewertet.

* * * * * * * 7 Sterne: Es geht überwiegend um lesbisch handelnde Frauen. Sie erhalten selbstverständliche Dominanz innerhalb des auch anderes ausführenden Handlungsstrangs.

* * * * * * 6 Sterne: Neben der Hauptthematik ist mindestens ein dominanter Handlungsstrang mit lesbischen Frauen vorhanden und unübersehbar!

* * * * * 5 Sterne: Implizit eindeutig lesbischer Tenor, die Geschichte wirkt jedoch etwas gebremst oder dient lediglich dazu, das Thema süffisant auszuschlachten.

* * * * 4 Sterne: (Nebenrollen-)Lesben oder lesbische Affären werden sind deutlich sichtbar und über einige Sequenzen des Films präsent.

* * * 3 Sterne: Innige/intensive Freundschaft oder Hassliebe mit lesbischen Möglichkeiten oder Ansätzen, die selten verfolgt werden.

* * 2 Sterne: Es taucht mal „etwas Lesbisches“ auf, wird erwähnt oder gezeigt; mal ein Kuss, mal ein tiefer Blick oder eine eindeutige Anmache …

* 1 Stern: So wenig Lesbisches ist hier drin, dass es immer wieder zu übersehen ist!

+: (Queere) Andeutungen und/oder Zwischentöne, Trans*-Darstellungen oder sog. Hosenrollen.

© Ingeborg Boxhammer (Bonn 2005/2020)