Am Sonntag, 3. Mai 2020, feiern Regenbogenfamilien weltweit den International Family Equality Day (IFED), um sich als Familien stolz zu zeigen und auf die Vielfalt von Familien hinzuweisen. Sie stehen zusammen für gleiche Rechte, mehr Teilhabe und Sichtbarkeit.

In diesem Jahr lautet das Motto des IFED „Family Diversity in Education“, um darauf aufmerksam zu machen, dass Kinder zum Beispiel in Kindertagesstätten und Schulen diese Familienvielfalt erleben und entdecken können und Regenbogenfamilien in Materialien, Büchern und Aufgabenstellungen berücksichtigt werden müssen.

„Immer mehr Menschen, die sich der LSBTIQ*-Community zugehörig fühlen, gründen überall auf der Welt Familien. Doch längst werden sie nicht überall als gleichwertige Familien anerkannt.”, betont Constanze Körner, Leiterin von Lesben Leben Familie (LesLeFam) aus Berlin, Mitgliedsorganisation des LesbenRing e.V.

Kathrin Schultz, Vorstandsfrau des LesbenRing ergänzt: “Auch in Deutschland haben Regenbogenfamilien, die zu 90 Prozent lesbische Mütter-Familien sind, noch immer nicht die Rechte, die sie brauchen, um von Anfang an als Familien abgesichert zu sein. Wir fordern daher eine Änderung des Abstammungsrechts jetzt!“

Auch drei Jahre nach Öffnung der Ehe sind Regenbogenfamilien im so genannten Abstammungsrecht weiterhin nicht gleichgestellt. So muss die Partnerin der Frau, die das Kind auf die Welt gebracht hat, das eigene Kind auf dem umständlich und diskriminierenden Weg der Stiefkindadoption wie ein fremdes Kind adoptieren. Auch die Möglichkeit der “Mutterschaftsanerkennung” analog zur Vaterschaftsanerkennung bei unverheirateten heterosexuellen Paaren bleibt den lesbischen Müttern verwehrt. Das Stiefkindadoptionsverfahren ist teils langwierig und erfordert die Offenlegung der eigenen Familienhistorie, der Finanzen, des Gesundheitszustands, Auskünfte über das Verhältnis zu den eigenen Eltern oder die Erziehungsziele, das Schreiben eines Lebensberichts, Hausbesuche durch das Jugendamt. Dinge, die im Rahmen eines regulären Stiefkindadoptionsverfahrens sinnvoll sind, werden bei lesbischen Müttern in ihr Gegenteil verkehrt und stellen eine gravierende Diskriminierung dieser Lesben* und ihrer Kinder dar.

“Dass lesbische Mütter sich und ihre Kinder im Jahr 2020 nur umständlich über den diskriminierenden Weg der Stiefkindadoption absichern können, ist beschämend und steht einer aufgeklärten Gesellschaft schlecht zu Gesicht. Es wird Zeit, dass die Empfehlungen zur Modernisierung des Abstammungsrechts, die der “Regierungsarbeitskreis Abstammung” bereits 2017 vorgelegt hat, umgesetzt werden”, so Schultz abschließend.

(Foto: LesLeFam)