Lesben* erfahren strukturelle Gewalt und Diskriminierung aufgrund ihres Geschlechts und ihrer sexuellen Orientierung.

Berlin/Heidelberg, 25.11.2020. Zum Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen* und Mädchen* macht der LesbenRing e.V. besonders auf die Situation von lesbischen Frauen* und Mädchen* aufmerksam.

Vorstandsfrau Marion Lüttig erklärt:

“Ein Drittel aller Frauen* und Mädchen* weltweit sind von geschlechtsspezifischer Gewalt betroffen. Die Zahlen sind alarmierend: 35 Prozent aller Frauen* weltweit waren physischer oder sexualisierter partnerschaftlicher oder nicht-partnerschaftlicher Gewalt ausgesetzt. “Lesben*, bisexuelle und trans* Frauen sind überproportional von Gewalt durch Partner oder Fremde betroffen. 98 Prozent der im im letzten Jahr ermordeten trans* Menschen waren trans* Frauen.”

Vor drei Jahren hat Deutschland das “Übereinkommen des Europarats zur Verhütung und Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen und häuslicher Gewalt” (Istanbul-Konvention) unterzeichnet und sich damit zur Umsetzung verpflichtet.

“Die Konvention fordert ausdrücklich positive Aktionen, um dafür Sorge zu tragen, dass Präventionsmaßnahmen speziell den Bedürfnissen schutzbedürftiger Personen entsprechen und meint dabei explizit auch lesbische, bisexuelle, trans- und intergeschlechtliche Frauen. Lesben*, bisexuelle, trans* und inter*-Frauen müssen auch auf den verschieden politischen Ebenen – auf Bundes-, Landes- und kommunaler Ebene – Berücksichtigung in den Aktionsprogrammen zur Prävention und zur Unterstützung von Gewalt betroffener Frauen* und Kinder Berücksichtigung finden”,

so Marion Lüttig weiter.

Studien zu Gewalt- und Diskriminierungserfahrungen von lesbischen/ bisexuellen Frauen und Trans*-Menschen (LesMigras 2012, EU-Grundrechteagentur 2020) zeigen, dass nahezu ein Drittel der Befragten von Familienmitgliedern, Partner*innen oder Freund*innen beschimpft oder beleidigt werden. Beschimpfungen und Beleidigungen durch Fremde in der Öffentlichkeit weisen doppelt so hohe Werte auf. Ein Fünftel wurden im öffentlichen Raum bereits körperlich angegriffen und ebenso viele haben dort sexualisierte Übergriffe erlebt. Da sich Betroffene gewalttätiger Übergriffe im öffentlichen Raum gegenüber der Polizei nicht unbedingt outen wollen, gehen diese Taten häufig nicht in die polizeiliche Statistik zu Gewalt aufgrund der sexuellen Orientierung ein. Viele Lesben* überlegen sich genau, an welchen Orten sie sich outen, um so das Risiko von Gewalt und Diskriminierung zu verringern. Auch lesbische Frauen* können Gewalt durch (Ex-)Partnerinnen erleben. Untersuchungen vor allem aus dem anglo-amerikanischen Raum gehen davon aus, dass häusliche Gewalt in lesbischen (und schwulen) Beziehungen fast ebenso häufig vorkommt wie in heterosexuellen Beziehungen. Auch die Formen der Gewalt unterscheiden sich kaum von denen in heterosexuellen Beziehungen.

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Über den Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen am 25. November

Auf der 83. Plenarsitzung am 17. Dezember 1999 verabschiedete die UN-Generalversammlung eine Resolution, nach der der 25. November zum Internationalen Tag zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen, auch „Internationaler Tag gegen Gewalt an Frauen“, bestimmt wurde. Damals zeigte sich die Generalversammlung „beunruhigt darüber, dass Frauen nicht in den vollen Genuss ihrer Menschenrechte und Grundfreiheiten kommen, und besorgt darüber, dass es nach wie vor nicht gelungen ist, diese Rechte und Freiheiten im Falle von Gewalt gegen Frauen zu schützen und zu fördern“. Alljährlich soll mit dem internationalen Gedenktag das öffentliche Interesse auf die Gewalt gegen Frauen gelenkt werden und Strategien zur Bekämpfung in den Mittelpunkt rücken.

Hintergrund für die offizielle Initiierung des Aktionstages 1999 durch die Vereinten Nationen (Resolution 54/134) war die Entführung, Vergewaltigung und Folterung dreier Schwestern und ihre Ermordung im Jahr 1960. Die Schwestern Mirabal waren in der Dominikanischen Republik durch Militärangehörige des damaligen Diktators Rafael Trujillo verschleppt worden.
Schon seit 1981 organisierten Menschenrechtsorganisationen alljährlich zum 25. November Veranstaltungen, bei denen die Einhaltung der Menschenrechte von Frauen und Mädchen auf die Agenda gesetzt werden. Ins Zentrum rücken dabei die Themen Zwangsprostitution, sexueller Missbrauch, Sextourismus, Vergewaltigung ebenso wie Genitalverstümmelung, Häusliche Gewalt und Zwangsheirat.

Über den LesbenRing e.V.

Der LesbenRing e.V. ist ein bundesweiter Verein für Lesben*, Lesben*gruppen und Organisationen mit Sitz in Heidelberg und Geschäftsstelle in Berlin. Der Verein wurde am 8. März 1982 gegründet. Heute ist der LesbenRing e. V. der bundesweite Dachverband für lesbische Frauen, Lesbengruppen und Organisationen. Der LesbenRing hat Sitz und Stimme im Deutschen Frauenrat, ist im Kuratorium der Bundesstiftung Magnus Hirschfeld vertreten und ist Mitgliedsorganisation der ILGA (International Lesbian and Gay Association).

Zur Schreibweise: Lesben*

Der LesbenRing e.V. will das große Spektrum lesbischer Lebens- und Liebesweisen sichtbar machen. Dazu zählen auch bi- und pansexuelle Cis- und Trans*frauen sowie Non-Binäre und Queers. Um diese Vielfalt lesbischer Lebensformen sichtbar zu machen, nutzt der LesbenRing e.V. die Schreibweise “Lesben*”.